Info
Info
Presse Presse
Termine
Termine 2001
Film Film
Kontakt&Links
Kontakt
Schule Schule
 
PRESSE

 

Interview mit Magª. Hanja Dirnbacher von Elfriede Hoi
veröffentlicht bei www.webwomen.at 04/2002

Mit "Drehungen" den Angreifer "aushebeln"

Selbstverteidung von und für Frauen und Mädchen.
Anwendung mechanisch-anatomischer Gesetze ermöglicht Frauen, ein Größe- und Kraftdefizit auszugleichen, um Gefahren zu meistern.

Was sind die "Drehungen"?
Ein Drei-Schritt aus Selbstbewusstsein, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Die Methode arbeitet mit Informationen, Verhaltenstipps und Körperübungen. "Drehungen" vermittelt eine Vielfalt an situations-angemessenen, gewaltfreien Reaktionen. Das Zusammenspiel von Wahrnehmung, Stimme und Körpersprache zur Prävention wird geübt.
Der frauenorientierte Zugang stärkt die eigene Wertschätzung, fördert das Selbstwertgefühl, baut Scham- und Inferioritäts-Gefühle ab.

Was unterscheidet diese Methode von anderen?
Orientierung an den Fähigkeiten des weiblichen Körpers. Einsatz von effizienten Hebeltechniken statt modifizierter Kampf-Sport-Stile.

Auf der Körperebene werden Frauen und Mädchen mit den angeborenen Vorteilen ihres eigenen Körpers vertraut gemacht. Sie erfahren, dass sie so, wie sie da stehen, bereits ein enormes Verteidigungspotential besitzen. Die Anwendung mechanisch-anatomischer Gesetze ermöglicht Frauen, ein Größe- und Kraftdefizit auszugleichen, um kleine wie große Gefahren zu meistern.

Die Frauen und Mädchen lernen, ihre Kraft mit Hilfe von Körperhebeln zu optimieren, um so mit wenig eigener Energie einen großen Effekt zu erzielen. Die "Urform" der Hebel ist eine menschliche Fähigkeit, die von körperlich arbeitenden Menschen seit jeher unbewusst genutzt wird. Deshalb sind einfache Körperhebel auch leicht erlernbar und werden nicht so leicht vergessen.

Wer hat "Drehungen" entwickelt? Wann? Warum?
Zwischen 1979 - 1982 hat eine Gruppe von Frauen aus unterschiedlichen Berufsfeldern am Dramatischen Zentrum (Theaterlabor) in Wien an persönlichkeitsbildenden Seminaren teilgenommen. Aus dem Bedürfnis heraus, sich bei Angriffssituationen nicht mehr ausgeliefert fühlen zu müssen, haben wir nach intensiver Recherche und Überprüfung ein Handlungsrepertoire zur Selbstverteidigung geschaffen. Erst haben wir "Drehungen" für uns selbst erarbeitet, dann an Freundinnen weitergegeben. Und dann an andere Frauen und Mädchen.

Für wen ist der Kurs geeignet: Alter, Kondition
Mädchen ab 12 Jahren, Frauen jeden Alters und jeder Kondition. Von XS bis XXL. Die Kurse werden ausschließlich für Frauen und Mädchen gehalten.

Für Mädchen von 8-10, 10-12 existieren eigene Programme, in denen die Inhalte spielerisch vermittelt werden. Weil die Kleinen noch nicht verstehen, was eine Belästigung ist, ist der Zugang anders. Und weil für sie die Bedrohung eher von Erwachsenen ausgeht.

Einige Trainerinnen arbeiten auch mit behinderten Frauen. Die Inhalte sind im Prinzip gleich, aber das Tempo ist langsamer. Und die Bewegungen werden genau mit den Möglichkeiten der jeweiligen Frau abgestimmt.

Was ist Ihr Bezug zu den "Drehungen"?
Für mich ist es normale, feministische Arbeit. Mir ist es nicht "wurscht", ob Frauen und Mädchen Angst haben oder nicht.

Wie ist ein Kurs aufgebaut?
In 10-12 Stunden, auf 2-3 Termine aufgeteilt, innerhalb von 1-3 Wochen. Variationen möglich.

Beginn: Ausloten der Problemlage der anwesenden Frauen und/oder Mädchen. Ihre Ängste besprechen, ernst nehmen, positive Feedbacks geben. Infos, Tipps und Strategien für das Vorfeld der Gewalt und zur Prävention. Medienkritik, Patriarchatskritik. Infos über Motivation potentieller Täter. Körper-Vorübungen zum Einstieg in die physische Verteidigung und Infos über die Wirkung der Körpersprache. Wahrnehmungs-, Atem-, Stimmübungen. Erden, Zentrieren, Gleichgewicht, Haltung, Bewegung im Raum. Der eigene Körper im Bezug zu anderen.

Durchspielen von Situationen, über die die Frauen berichtet haben. Rollenspiele, Erkennen psychologischer Gesetzmäßigkeiten der Auseinandersetzung zwischen den Geschlechtern.

Körperliche Abwehr-, Befreiungs- und Verteidigungstechniken werden aufbauend geübt, vom reinen Ausweichen bis zur lebensrettenden Aktion. Alles wird stehend, sitzend und liegend geübt. Ausführliche Bodenarbeit. Angst vor dem Fallen vermindern. Körperliche Tipps und Tricks: Infos über die verletzbaren und stabilen Regionen des Körpers.

Tipps und Tricks für präventives Verhalten. Ratschläge, wie die psychischen und physischen Grundübungen im Alltag weiter geführt und geübt werden können.

Anwendungen: die sattsam bekannten "Angst-Szenarien" werden von allen Seiten beleuchtet und Lösungs-Strategien durchgedacht und durchgespielt. Wir informieren uns über alternative und unübliche Abwehrmethoden. Wir fördern die Kreativität der Frauen und Mädchen im Entwerfen von Lösungsmöglichkeiten, die zur eigenen Person passen. Der präzisen Körper- und Hebeltechnik stehen flexible Handlungsstrategien gegenüber, die für alle Gelegenheiten passen.

Zum Abschluss üben wir jene Techniken nochmals, bei denen sich die jeweiligen Frauen/Mädchen schwer getan haben.

Highlights im Kurs?
· Das Erkennen, dass frau ganz unspektakulär und einfach mit allen Gewaltsituationen fertig werden kann.
· Und dass mit Witz und Normalität stereotypen Frauen-Bildern gekontert werden kann (gemeint sind die stereotyp hilflosen Frauen in abertausenden von Filmen, die bei Gefahr nicht einmal auf den Gedanken kommen, sich zu wehren)

Möglichkeiten zum Üben nach dem Kursende?
· Auffrischungs-Stunden nach Absprache
· Der Film "Furcht-Los in alltäglichen und besonderen Situationen"

Kontaktmöglichkeit, Anfragen - Wien und Bundesländer
Verein "Frau in Bewegung"
Maga. Hanja Dirnbacher
Schüttaustraße 1/12/13, 1220 Wien
Telefon: 01/729 69 13 (Anrufbeantworter)
Website:www.drehungen.at

Bundesländer:
Veranstaltungen über Verein Mafalda in Graz (verein.mafalda@austro.net),
über die Volkshochschulen in Linz (info@vhs.mag.linz.at),
Salzburg (office@vhs-sbg.at),
Innsbruck (innsbruck@vhs-tirol.at);

Was sonst noch wichtig ist
Zum Aufarbeiten der geschlechtsspezifischen Sozialisationsdefizite wendet sich "Drehungen" insbesondere auch an Lehrerinnen und Leibeserzieherinnen. Sie können ihr Wissen an die Mädchen weitergeben und als wichtiges Vorbild wirken, indem sie Grenzen setzen und Werte vermitteln. Das Programm "Selbst-Sicher" (siehe homepage, Abschnitt "Schule") kann dafür als Vorbereitung dienen. Auch der Informations-Film "Furcht-Los in alltäglichen und besonderen Situationen" (von Hanja Dirnbacher) unterstützt bei der Selbstbewusstseinsarbeit mit Frauen und Mädchen ab 12 Jahren.

Beispiele, wo "Drehungen" erfolgreich angewendet wurden?
Feedbacks von Kursteilnehmerinnen:

"Mein Bruder kann mir jetzt nicht mehr den Arm verdrehen."

"Ich gehe jetzt viel angstfreier in der Dunkelheit nach Hause, weil ich weiß, was zu tun ist, wenn ..."

"Ich weiß jetzt, wie ich auf sexistische Witze reagieren kann. Das erleichtert mich und macht mir Spaß."

"Ich habe es jetzt mit frechen Schülern viel leichter." (Lehrerin)

"Seitdem ich weiß, wie man situationsangemessen reagieren kann, habe ich auch keine Bedenken mehr, nun gezielt Schläge und Tritte einzusetzen. Wenn die Situation es erfordert und sonst nichts mehr geht".

Elfriede Hoi

top zurück Anfang Presse Info Termine Kontakt Standpunkt Film Schule