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ASPEKTE GESCHLECHTSSENSIBLER ARBEIT IN DER SCHULE SELBST
- SICHER von Hanja Dirnbacher
Mag. Art. Gedanken über beobachtete Phänomene im Schulalltag Wie reagieren Mädchen auf Grenzverletzungen und Übergriffe ihrer Schulkollegen? Im Allgemeinen recht hilflos. Bloß einige Wenige setzen sich ganz gut durch. Beeinträchtigt sind alle Mädchen, auch jene, die nicht direkt ins Schußfeld der Aggressionen geraten sind, denn: Angst vor Gewalt wird nicht nur durch selbst erlittenes ausgelöst, sondern auch, und vermehrt, durch Beobachtung von Gewalthandlungen. So zeigt sich ein Phänomen darin: Ein einzelner Bursch, der gegen einige Mädchen vorgeht, verunsichert alle Mädchen dieser Klasse. Die Ausgangslage: Viele der verantwortlichen LehrerInnen setzen den Übergriffen der Burschen lediglich verharmlosende Konfliktlösungsmodelle entgegen. Damit werden den Angreifern keine Grenzen gesetzt, ihr Verhalten wird scheinbar akzeptiert. Die Mädchen werden durch das Verhalten solcher Burschen permanent herabgesetzt und abgewertet. Bei ihnen entsteht der Eindruck, daß dies scheinbar "normal" ist, daß ihnen Recht geschieht, und die Mädchen fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Sie erleben, daß niemand, außer sie selbst, sich über das Verhalten solcher Burschen empört, daß es nicht kritikwürdig ist und die Vermutung liegt nahe, daß alles seine "Ordnung" hat. Mit der Zeit ist zu beobachten, daß die Mädchen eine zunehmend resignative Haltung einnehmen und sie sich nicht mehr wehren. Ein Außenstehender erhält den Eindruck, daß es gar keine Konflikte mehr gibt. Das beobachtete Phänomen einer Reaktionsänderung der Mädchen gegenüber den "Neckereien" gleichaltriger Burschen zwischen dem 12. und 13. Lebensjahr, hat ihren Niederschlag in der einschlägigen Literatur gefunden: "....daß Mädchen nämlich von 9 - 13 Jahren ganz anders und viel aktiver mit dem Problem umgehen, als ältere Mädchen." ( Cheryl Benard/ Edith Schlaffer: "Let´s kill Barbie!" / München 1997) Diese Mädchen besitzen ein noch stärkeres Unrechtsbewußtsein, das ihnen jedoch succzessive abhanden kommt. Die über 13-jährigen verfallen in eine zunehmend passive Haltung: RESIGNATIVE ANPASSUNG nennt die Sportwissenschaftlerin Heidi Scheffel dieses, auch von ihr beobachtete Phänomen. (Scheffel, Heidi: MädchenSport und Koedukation. Magdeburg Univ., Diss. 1996) Die Gründe für diese Verhaltensänderung müssen u. a. darin gesucht werden, daß Lehrer und vor allem Lehrerinnen die Schülerinnen mit diesen Problemen alleine lassen - lassen müssen! Haben doch sie selbst auch auf diesen Gebieten zumeist keine Hilfe oder Ausbildung erhalten!
Die NICHT - Beachtung ihrer Probleme durch die Pädagogen führt zu dem ungewollten Ergebnis, daß viele dieser Mädchen den Eindruck gewinnen, daß sie es nicht Wert sind, daß man sie und ihre Nöte ernst nimmt und sich damit auseinandersetzt, und die Aktionen der Burschen offensichtlich zu Recht gegen sie gerichtet werden können. Das SELBSTWERTGEFÜHL vieler Mädchen nimmt konsequenterweise in dem Maße ab, in dem es nicht andererseits durch zufällige Faktoren - wie z.B. durch die Unterstützung der Eltern wieder aufgefangen werden kann. Wenn Mädchen dieses Stadium erreicht haben, stehen sie gutgemeinten Seminar-Angeboten zu den Themen Abgrenzung und Verteidigung oft ablehnend gegenüber, obwohl ihnen ja JETZT sehr wohl Konfliktlösungsmodelle und Möglichkeiten nahegebracht werden. "Zu spät" scheinen sie den Verantwortlichen mißmutig zu signalisieren. Jetzt seien sie von ihrer Wertlosigkeit schon überzeugt, und wollen sich nicht mehr gegen die Burschen auflehnen, und: "...das bringt doch alles eh` nix...". Auf Grund der übereinstimmenden, und seit Jahren gleichbleibenden Beobachtungen von Fachfrauen aus Deutschland und Österreich scheint es überlegenswert: die grundlegenden Inhalte von Selbstbewußtsein und Selbstbehauptung Mädchen ab dem 10.Lbj. nahezubringen, und sie mit Konfliktlösungsmodellen, im Sinne eines Geschlechtssensiblen Unterrichts vertraut zu machen, sowie: Lehrerinnen die dafür benötigte Fortbildung zu erleichtern! "Lehrkräfte müssen in ihrer Ausbildung auf die REALEN KONFLIKTE vorbereitet werden mit denen sie im Unterricht konfrontiert sind, dazu gehört auch DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN JUNGEN UND MÄDCHEN." (Benard/Schlaffer ebd.) Zur Situation der Lehrerin Welche Mittel stehen der Lehrerin zur Verfügung, um sich mit vielfältig auftretenden Gewalt - Phänomenen, denen sie in ihrem beruflichen Alltag begegnet, auseinander zusetzen? Situationen, die sie beobachtet, die ihr zum Teil harmlos erscheinen, zum Teil jedoch gefährlich sind, und in die sie miteinbezogen werden kann. Wie kann die Lehrerin damit zurechtkommen? Wie kann sie agieren, wie re-agieren? Gegenüber den Mädchen - als Vorbild, gegenüber den Burschen - in der Vorgabe von Werten?! Die Handlungskompetenz einer Lehrerin gegenüber aggressiven Situationen hängt zum Großteil immer noch davon ab, was sie sich SELBSTÄNDIG ANGEEIGNET hat. Während ihrer Ausbildungszeit erhält sie auf diesen Gebieten bisher wenig, bis gar keine Informationen. Eine diesbezügliche Hilfestellung sollte Lehrerinnen zur leichteren Bewältigung ihres Arbeitsalltages jedoch nicht vorenthalten werden. Was Lehrerinnen helfen würde, sind Methoden der Selbstbehauptung und Abgrenzung, die ihnen bereits während ihrer Grundausbildung vermittelt werden. Lösungsansätze: Eine geschlechtssensible Anti-Gewalt-Arbeit wäre notwendig, findet jedoch mangels einschlägiger Information der Lehrkräfte noch kaum statt. Eine mögliche Vorbereitung von Lehrerinnen bietet das Programm SELBST-SICHER. Es handelt sich um ein Selbstbewußtseins und Selbstbehauptungs-Programm das, von Fachfrauen entwickelt, seit Jahren erprobt und erfolgreich angewandt wird . Es bietet Hilfestellung auf psychologischer und körperorientierter Basis an. Bis jetzt wurde dieses Programm im kleinen Kreis weitergegeben, und ist deshalb erst wenigen PädagogInnen bekannt. Lehrerinnen, die auf der Basis dieses Programms mit Mädchen arbeiten, können damit erreichen, daß sich die Mädchen im Zuge dessen nicht mehr als "der letzte Dreck" empfinden. Die Lehrerin vermittelt ihnen, daß sie es Wert sind, daß ihnen geholfen wird, und sie erhalten die Bestätigung dafür, daß sie das Verhalten der Burschen nicht akzeptieren müssen, und daß diese mit ihren Grenzüberschreitungen und Abwertungen nicht im Recht sind. Den Burschen gegenüber kann die Lehrerin Werte setzen, und auf deren Einhaltung während ihrer Anwesenheit bestehen. Um eine völlige Verhaltensänderung bei solchen Burschen , die sich Mädchen gegenüber abwertend äußern herbeizuführen, bedarf es jedoch der Mithilfe des gesamten Lehrkörpers, unter besonderer Anteilnahme der männlichen Lehrkräfte. Selbst wenn das Verhalten der Burschen sich den Mädchen gegenüber nicht sogleich ändert ( z.B. weil mit ihnen noch nicht gearbeitet werden konnte-) haben die Mädchen nun verschiedene Möglichkeiten um
Diese Möglichkeiten führen dazu, daß die Mädchen nun anders und gezielter auf diese Übergriffe reagieren. Die veränderte Reaktion der Mädchen bewirkt oft eine Änderung des Verhaltens der Burschen, und schränkt deren Übergriffe ein. Darüber hinaus erhalten die Mädchen das Bewußtsein, daß sie selbst aktiv sein können, sie nicht ausschließlich auf Hilfe von außen angewiesen sind, und sie sich nicht nur auf bloßes re-agieren beschränken müssen! Die Mädchen lernen ein alternatives Verhalten an den Tag zu legen, das auch vorbeugende Wirkung hat, und sie können nun auch aktiv einschreiten, wenn die Situation zu eskalieren droht. Die Folge ist ein Zuwachs an Selbstbewußtsein und eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls. Nicht zu unterschätzende Eigenschaften, wenn man bedenkt, was Mädchen auch außerhalb der Schule an Bedrohungen erwartet. Selbst - Sicher Die
Vorgangsweise:
Wege erarbeiten:
Modelle erproben:
Unterstützen:
Vorplanen:
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